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[ Pharmakologie
der Opioide ]
Allgemeine Wirkungen
von Standard-Opioiden:
Zentrale Wirkungen:
- setzen die Schmerzempfindung durch Stimulation von Opioid-Rezeptoren
herab (analgetische Wirkung): Das absteigende, schmerzhemmende System
wird aktiviert, auf spinaler Ebene werden nozizeptive Impulse unterdrückt,
im limbischen System wird das Schmerzerlebnis verändert (die
Schmerzen werden nicht mehr als so unangenehm und bedrohend empfunden;
Atemnot wird wie Schmerz verarbeitet). So ist auch zu erklären,
warum vom Patienten bei Gabe normaler Opioiddosen trotz völliger
Schmerzfreiheit der Schmerzpunkt lokalisiert werden kann (die Schmerzafferenz
ist weiterhin verfügbar (außer evtl. bei hohen Dosen potenter
Opioide, die schon ein den hypnotischen Bereich hineingehen.), man
spürt den Schmerz in vielen Fällen auch, jedoch verliert
er seine negative Assoziation und wird damit nicht mehr zum Problem.
- beeinflussen in therapeutischer Dosis normalerweise andere Sinnesqualitäten
(sehen, fühlen, ...) nicht negativ - das Reaktionsvermögen
kann allerdings eingeschränkt sein!
- reduzieren die geistige Aktivität (sedative Wirkung), können
durch die euphorisierende Wirkung aber auch die Kreativität steigern.
- bewirken so gut wie keine Amnesie.
- beseitigen Konflikt- und Angstgefühle (tranquilisierende Wirkung)
- erhöhen vielfach die Stimmungslage (euphorisierende Wirkung),
können bei einem Teil der Patienten dysphorisch wirken, was jedoch
recht selten ist.
- hemmen das Atem- und Hustenzentrum (atemdepressive und antitussive
Wirkung)
- lösen zunächst durch Stimulation des Brechzentrums vielfach
Übelkeit (Nausea) und Erbrechen (Emesis)-, später dagegen
durch Hemmung des Brechzentrums einen antiemetischen Effekt aus.
- rufen eine Miosis hervor (miotische Wirkung)
- erhöhen die Freisetzung des antidiuretischem Hormons (antidiuretischer
Effekt)
- können bei wiederholter Anwendung Toleranzentwicklung zurfolge
haben, führen bei bestimmungsmäßigem und korrekten
Gebrauch (In der Schmertherapie unter ärztlicher Überwachung,
bzw nach strengem Einnahmeschema) jedoch meist nicht zu psychischer
Abhängigkeit.
periphere Wirkungen:
- sind auch über periphere Opioid-Rezeptoren analgetisch wirksam
- verzögern durch Pyloruskontraktion die Magenentleerung
- reduzieren die Motilität und erhöhen den Tonus der glatten
Muskulatur des Gastrointestinaltraktes (spastische Obstipation)
- kontrahieren die Sphinkteren im Bereich der Gallenwege
- steigern den Tonus der Harnblasenmuskulatur und des Blasenschließmuskels
- verringern den Tonus der Blutgefäße mit der Gefahr orthostatischer
Reaktionen
- können durch Histaminfreisetzung Hautrötung, Urtikaria
und Juckreiz sowie bei Asthmatikern einen Bronchospasmus hervorrufen
Wirkungsweise der Opioide: Opioide vermitteln ihne Wirkung,
indem sie an Rezeptoren (spezielle Proteine (Eiweißmoleküle))
anbinden und mit diesen interagieren. durch diese Interaktion werden verschiedene
Wirkungen ausgelöst. Welche Wirkungen ausgelöst werden, hängt
von der Bindung, an die jeweiligen Rezeptortypen ab:
- µ-Rezeptoren: Die µ-Rezeptoren sind am entscheidensten für
die Wirkung von Opioiden. Es gibt 2 Subtypen: µ1 und µ2.
Bei Agoninisierung (anbinden & interagieren) werden folgende Vorgänge
ausgelöst:
- µ1: supraspinale-/spinale Analgesie, Euphorie, niedriges Abhängigkeitspotential,
Miosis, Bradykardie (verminderte Pulsfrequenz), Hypothermie, Harnretention.
- µ2: spinale Analgesie, Atemdepression, hohes Abhängigkeitspotental,
starke Obstipation.
- [delta]-Rezeptoren: supraspinale-/spinale Analgesie, Atemdepression,
hohes Abhängigkeitspotential, geringgradige Obstipation, Harnretention.
- [kappa]-Rezeptoren: supraspinale-/spinale Analgesie, Dysphorie,
niedriges Abhängigkeitspotential, Miosis, Hyperthermie, Diurese.
- [sigma]-Rezeptoren: psychomimetische Effekte. Dieser Rezeptortyp
ist aber kein spezifischer Opioidrezeptor, da auch andere Substanzen
wie z.B. Phencyclidin ("PCP") daran anbinden.
Opioide binden also an Rezeptoren an. Wie stark sie anbinden, hängt
von der Affinität (=Anziehung) ab. Ein Agonist ist eine Substanz,
die an einem bestimmten Rezeptortyp anbindet. So binden µ-Agonisten
an den µ-Rezeptoren an. Ein entscheidender Faktor ist aber auch die intrinsische
Potenz: Sie gibt an, wie stark ein Agonist nach der Agonisierung mit dem
Rezeptor interagiert. Ein Antagonist ist eine Substanz, die an einem bestimmten
Rezeptortyp anbindet, deren intrinsische Potenz aber so gering ist, dass
sie nicht mit dem Rezeptor interagiert (wobei sich die Fachleute teilweise
uneinig sind, ob sich "Interaktion" schon durch das Anbinden
an den Rezeptor definiert. In diesem Fall müsste man von "Anbinden,
aber ohne vermittlung einer Wirkung" sprechen. Ein weiterer
Faktor, der über die Wirksamkeit von Opioiden entscheidet, ist die
Lipophilie (Fettlöslichkeit) eines Opioids. Opioide mit hoher Lipophilie
passieren die BBB (Blood-Brain-Barrier = Blut-Hirn-Schranke) sehr gut
(nur recht stark lipohile Substanzen können die BBB passieren, und
binden gut an Rezeptoren an). Opioide mit hoher Lipohilie fluten zumeist
sehr zügig an (Die Lipophilie ist z.B. ein Faktor, der dafür
verantwortlich ist, dass Diacetylmorphin so schnell anflutet) Die therapeutische
Potenz setzt sich also aus der intrinsischen Potenz, der Affinität
und teilweise auch der Lipophilie zusammen. So hat beispielsweise Fentanyl
nur eine geringfügig höhere intrinsische Potenz als Morphin.
Dafür, dass dieses Opioid etwa 100x so stark ist, ist die deutlich
höhere Affinität, sowie die hohe Lipophilie, durch die das Opioid
auch schneller anflutet verantwortlich. gemischt wirkende Agonisten/Antagonisten
sind Substanzen, die auf bestimmte Rezeptoren eine agonistische Wirkung
haben, auf andere jedoch eine antagonistische, bzw. gar keine. Die meisten
sind hochaffin, können somit viele Agonisten kompetetiv verdrängen.
Im Gegenzug werden andere Rezeptortypen agonisiert, um eine - oft analgetische
- Wirkung, wenn auch in abgeschwächter Form, aufrecht zu erhalten.
Typisch Vertreter sind Nalbuphin, Pentazocin und Butorphanol. Diese Opioide
wirken antagonistisch auf µ-Rezeptoren und dafür agonistisch auf
[kappa]- oder [delta]-Rezeptoren. Desweiteren gibt es Partiellagonisten,
die wie Antagonisten wirken, mit der Ausnahme, dass sie nach dem Verdrängen
des Konkurrenten mit niedrigerer intrinsischer Potenz mit dem Rezeptor
interagieren, uns so einen Teil der Wirkung aufrecht erhalten. Antagonisten
sind Substanzen, die an bestimmte Rezeptoren (je nach Antagonist) anbinden
und dadurch viele andere Stoffe von selbigen verdrängen, aber keine
eigene Wirkung über den Rezeptor vermitteln. Down-Regulation:
Werden Opioide über einen längeren Zeitraum ständig eingenommen,
findet eine sog. "Down-Regulation" der Opioidrezeptoren statt:
Die Opioidrezeptoren verändern ihren Zustand, sodass die über
sie vermittelten Wirkungen abgeschwächt werden und man dementsprechend
eine höhere Menge des Opioids zuführen muss, um in etwa die
gleichen Wirkungen zu erzielen – wobei ein lang andauernder Opioidturn
auch vom psychischen her nicht mehr das hergibt, was bei einem Konsummuster
mit ausreichend Pausen drin ist! Diese Down-Regulation spielt aber
auch für Schmerzpatienten eine große Rolle, denn sie sind auf
Ihre medikation dringend angewiesen und können nicht mal eben pause
machen. Schmerzpatienten sind da auf besondere Weise benachteiligt.
Hinzukommt, dass der Körper bei dauerhafter externer Zuführung
von Opioiden die produktion endogener (=körpereigener) Opioide wie
ß-Endorphin [µ], Dynorphin [delta], und Leu-Enkephalin [kappa] herunterfährt,
was bei einem plötzlichen Absetzen die entzugssymptome noch verstärkt.
Eliminationshalbwertszeit (HWZ): Die Halbwertszeit
gibt an, wie lange es durchschnittlich dauert, bis ein Stoff im Blut-
oder Plasma durch Elimination auf die Hälfte seines ursprünglichen
Wertes gesunken ist. Affinität: Die Affinität
ist eine Maßeinheit um die Anziehung eines Stoffes zum jeweiligen
Rezeptor zu beschrieben. Ein höheraffiner Stoff kann einen niederaffinen
gleichen Typs vom Rezeptor verdrängen. Potenz und Wirksamkeit
Die therapeutische Potenz gibt an, wie stark die jeweilige Substanz im
Gegensatz zu einer anderen wirkt, will heißen: von einer Substanz mit
einer 10x so hohen Potenz benötigt man nur ein Zehntel der Menge für den
gleichen Effekt, den man von der weniger potenten benötigt hätte. Die
Bezugssubstanz ist das Morphin. Die Angaben bezüglich der Potenz können
jedoch je nach Quelle etwas schwanken, da die Potenz auch nicht 100% exakt
feststellbar ist). Die Potenz sollte nicht mit der Wirksamkeit eines Opioids
verwechselt werden, die wirksamkeit gibt nämlich an, wie stark das Opioid
im gesamten ist: Von einer höherpotenten Substanz braucht man für den
gleichen Effekt weniger, allerdings kann es durchaus sein, dass die höhere
Potenz in ihrer Maximalwirkung durchaus von einer niederpotenteren Substanz
in entsprechend hoher Dosis übertroffen werden kann, insbesondere z.B.
bei Buprenorphin ist dies zu beachten) Auch wenn oft Parallelen zur
Potenz gezogen werden können, (vgl. Morphin <=> Fentanyl), gibt es auch
Ausnahmen und es ist nicht bei jedem Opioid mit höherer Potenz der Umstand
gegeben, dass damit eine stärkere Maximalwirkung, als mit einem niederpotenteren
erreicht werden kann – allerdings lässt sich die exakte Wirksamkeit teilweise
noch schwerer festlegen, als die Potenz, weil Substanzen bei jedem Menschen
anders wirken (bedingt durch Metabolismus, Konstitution, anzahl der Opioidrezeptoren,
Rezeptorpopulation, ...), insbesondere, wenn Partiellagonisten ins Spiel
kommen! Verwandte Themen > Präparate-Tabelle
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